Was tun im Erbfall ?

I. Bis zur Feststellung der Erben:

1. Nachlasssicherung:

Zunächst ist der Nachlass zu sichern, also dafür zu sorgen, dass nicht Unberechtigte Gegenstände, Dokumente (auch Testamente) oder Geld aus dem Nachlass entfernen. Besteht dieses Risiko, oder muss der Erbe erst ermittelt werden, muss beim zuständigen Amtsgericht Abteilung Nachlassgericht - die Bestellung eines Nachlasspflegers beantragt werden. Das Amtsgericht kann die Wohnung/ das Haus des Verstorbenen versiegeln lassen, Geld und Wertgegenstände hinterlegen lassen, und ein Nachlassverzeichnis aufnehmen.

2. Testament:

Dann muss zügig festgestellt werden, ob ein Testament oder ein Erbvertrag (juristisch: letztwillige Verfügung) hinterlassen wurde. Wird ein Testament aufgefunden (auch wenn es veraltet oder ungültig erscheint), muss es umgehend an das Amtsgericht – Abteilung Nachlassgericht – abgeliefert werden ! Soweit es unverschlossen ist, sollte man zusammen mit dem zuständigen Rechtspfleger feststellen, ob z. B. ein Bestattungswunsch enthalten ist, und ob der Erbe schon eindeutig bestimmbar ist, und sich davon eine Fotokopie machen lassen.

Notarielle Testamente oder Erbverträge werden vom Nachlassgericht von Amts wegen beigezogen. Über das Zentrale Testamentsregister erfährt das Nachlassgericht, wo Testamente hinterlegt sind.

Wichtig: Testamente werden erst eröffnet, wenn das Nachlassgericht alle Testamente vorliegen hat. Dies dauert erfahrungsgemäß etwa vier bis acht Wochen.

3. Lebensversicherungen:

Lebensversicherungen muss der Todesfall unverzüglich mitgeteilt werden, am besten vorab mit Telefax und nochmals mit Brief (Einschreiben mit Rückschein)! Nach den Allgemeinen Versicherungsbedingungen muss der Todesfall innerhalb von 24–72 Std. mitgeteilt werden. Bei Versäumnis können Ansprüche entfallen.

4. Banken:

Hier sollten die Kontostände zum Todestag ermittelt werden. Das kann schwierig werden, wenn man seine Erbenstellung (noch) nicht nachweisen kann (deshalb ist die obengenannte Fotokopie des Testamentes zweckmäßig), oder keine Vollmacht des Verstorbenen hat, die über den Tod hinaus gültig ist.

Beerdigungskosten können unter Vorlage der Rechnung in der Regel vom Konto des Verstorbenen überwiesen werden.

Soweit es noch Kontovollmachten für weitere Personen gibt, kann es empfehlenswert sein, diese unverzüglich zu widerrufen, damit keine unberechtigten Abhebungen erfolgen können.

5. Ermittlung des Nachlasses:

Dann muss der Umfang des Nachlasses ermittelt werden: Grundbesitz, Beteiligungen an Gesellschaften, Lebensversicherungen, Geldanlagen, Bank- und Sparkonten, Wertpapiere, Wertgegenstände (Schmuck, Sammlungen von Münzen, Briefmarken etc., Antiquitäten) usw.

Zunächst reicht die Feststellung, ob der Nachlass überschuldet ist (vgl. Punkt 9).

6. Wohnung:

Hatte der Erblasser eine Wohnung gemietet, so tritt sein Ehegatte automatisch in den Mietvertrag ein, wenn er mit dem Erblasser in der Wohnung gelebt hatte. Ist kein Ehegatte vorhanden, treten die im Haushalt lebenden Kinder in den Mietvertrag ein. Wollen sie dies nicht, müssen sie innerhalb eines Monats ab Kenntnis vom Tod dem Vermieter erklären, dass sie das Mietverhältnis nicht fortsetzen wollen.

Soll das Mietverhältnis beendet werden, muss der Erbe die Wohnung mit der gesetzlichen Kündigungsfrist von 3 Monaten kündigen. Sonst setzt es sich mit den Erben fort.

7. Telefon, Zeitungen, Versicherungen, Vereine:

Diese sollten von den Erben umgehend gekündigt werden, wenn sie nicht übernommen werden sollen. Zweckmäßig ist, der Kündigung einen Erbnachweis und/oder eine Kopie der Sterbeurkunde beizufügen, um eine Zurückweisung der Kündigung zu vermeiden, und diese mit Einschreiben und Rückschein zu versenden, um den Eingang nachweisen zu können.

8. Erbschein:

Zum amtlichen Nachweis der Erbfolge benötigt man einen Erbschein. Er kann bei jedem Notar beurkundet werden, oder auch beim Amtsgericht – Abteilung Nachlassgericht.

Unabdingbar ist der Erbschein, wenn Grundbesitz vorhanden ist, oder wenn der Erbe keine Bankvollmacht hat, die über den Tod hinaus wirkt.

Ein Erbschein ist in der Regel nicht erforderlich, wenn ein notarielles Testament vorliegt.

II. Nach Feststellung der Erben:

9. Ausschlagung der Erbschaft:

Stellt man fest, dass der Nachlass überschuldet ist, kann man die Erbschaft ausschlagen. Dies muss innerhalb von 6 Wochen ab Kenntnis des Erbfalls erfolgen. Die Unterschrift muss beglaubigt werden (bei einem Notar oder einem hessischen Ortsgericht), und innerhalb der Sechs-Wochen-Frist beim Amtsgericht – Nachlassgericht – eingehen.

10. Nachlassverwaltung:

Kann der Erbe den Nachlass nicht sofort nach Feststellung seiner Erbenstellung in Besitz nehmen (z. B. wegen Minderjährigkeit, oder weil er im Ausland ist), muss eine Nachlassverwaltung angeordnet werden.

11. Grundbuchberichtigung:

Soweit Grundbesitz zum Nachlass gehört, muss der Erbe unter Vorlage des Erbscheins die Berichtigung des Grundbuchs beantragen. Als Eigentümer wird dann der Erbe, bzw. bei mehreren Erben, alle Mitglieder der Erbengemeinschaft im Grundbuch eingetragen. Die Grundbuchberichtigung ist kostenlos, wenn sie innerhalb von zwei Jahren nach dem Erbfall beantragt wird.